Hadi Teherani im Interv... Trachyt

Hadi Teherani schenkt Frankfurt mit dem Hafenpark Quartier gerade ein neues Herz – wir aber haben mit Hamburgs Star-Architekt über noch viel mehr geredet: über echte Nachhaltigkeit und Recycling Baustoffe, über Lösungen für den Wohnungsmangel und die Zukunft des Bauens. Nur blöd, dass hierbei Architekten so selten mitreden dürfen …

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Der Hamburger Architekt Hadi Teherani hat einige der spektakulärsten Gebäude Deutschlands entworfen – von den tanzenden Türmen, dem Deutschlandhaus und dem Berliner Bogen in Hamburg über den Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen, die Kranhäuser in Köln und das Dockland vor dem Fischereihafen in Altona.

Doch Hadi Teherani arbeitet nicht nur als Architekt, sondern auch im Bereich des Produkt- und Interior-Design. Nicht allein der leere, architektonische Raum ist sein Ziel, sondern der atmosphärisch stimmige, bis in alle Details harmonisch gestaltete, sinnlich erlebbare Raum. Aktuell entsteht nach seinen Plänen das Hafenpark Quartier in Frankfurt, wo Blasius Schuster rund 250 000 Tonnen Erdaushub transportiert hat. 


Herr Teherani, Sie schenken Frankfurt ein neues Herz mit dem Hafenpark Quartier. Was aber ist das Besondere am HPQ aus Ihrer Sicht?

Die Lage. Direkt neben dem EZB-Tower mit Blick auf den Main. Auf der einen Seite blickt man übers Wasser ins Grüne, auf der anderen genießt man den Ausblick auf Frankfurts Skyline – an so einem Ort darf man nichts Gewöhnliches bauen.

Ist das Wasser wichtig, der Main?

Oh ja! Sehr sogar. Denn Wasser hat eine eigene Energie und hier finden sich immer die besonderen Lagen. Es ist etwas ganz anderes, ob man weit ins Land schauen kann – oder nur 15 Meter bis zur Fassade auf der anderen Straßenseite.

Wenn man das HPQ mal ins Verhältnis setzt zu den Kranhäusern in Köln oder den tanzenden Türmen in Hamburg: Glauben Sie, dass auch das Hafenpark Quartier eine ikonische Landmarke wird?

Die Landmarke in diesem Bereich ist der EZB Tower. Das muss man städtebaulich akzeptieren – und als Chance sehen. Wir haben gar nicht erst versucht, die EZB zu übertrumpfen, sondern uns auf etwas anderes konzentriert. Auf eine besondere Wohnqualität. Auf Menschlichkeit. Auf die Verbindung von Architektur und Natur. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Natursteinfassade und die durchweg hochwertigen Materialien, die hier zum Einsatz kommen.

Hadi Teherani
„Als Architekten ist es unsere Aufgabe, ALLE QUALITÄTEN HERAUSZUKITZELN, die wir erkennen. So entsteht Besonderes“

HAFENPARK QUARTIER
Das Wohnensemble HPQ LIVING stammt aus der Feder von Hadi Teherani. Die Apartments in den Türmen zeichnen sich durch einen schwungvollen Grundriss aus Ein Aufzug führt auf die
Rooftop-Terrasse des HPQ EAST SIDE. Eine Open-Air- Lounge bietet dort einen spektakulären Blick auf die Frankfurter Skyline mit der Europäischen Zentralbank

Macht Naturstein etwas mit den Menschen – oder geht es einfach nur um Ästhetik und Dauerhaftigkeit?

Es macht tatsächlich etwas mit den Menschen. Er gibt dir Sicherheit und ist einfach ein ehrlicher Baustoff, weil er aus dem Erdreich kommt. Stein gibt einem das Gefühl, in einem reellen Gebäude zu leben – ein ganz anderes Gefühl als hinter einer verputzten Wärmedämmung. Und es ist nachhaltig! Es sind vorwiegend Natursteingebäude, die seit hunderten Jahren die Menschen faszinieren und noch erhalten sind.

Das HPQ steht für neue urbane Wohnkultur – was aber ist das genau und worauf legen Sie besonderen Wert?

Urbanität steht für Leben, für städtische Nähe mit Geschäften in der direkten Nachbarschaft – ganz anders also als auf der grünen Wiese. Gleichzeitig haben wir Wert darauf gelegt, verschiedene Wohnformen zu ermöglichen – also Townhouses, klassische Eigentumswohnungen und elegante Luxus-Apartments. Es wird eine Freude sein, mal um das Haus herumzugehen, durch die Gassen zu flanieren und runter zum Wasser zu gehen. Meine größte Sorge war, dass die Wohnungen ganz unten weniger Qualität haben; aber mit unserem Konzept eines kleinen Walds im Innenhof ist das gelöst. Du guckst ins Grüne! In die Natur! Und das mitten in der Stadt.

Also geht es am Ende darum, die Natur in die Stadt zu holen – mit grünem Innenhof, unverbaubarem Blick übers Wasser und echtem Naturstein?

Als Architekten ist es unsere Aufgabe, alle Qualitäten rauszukitzeln, die wir erkennen. Nur so schafft man ein besonderes Gebäude. Wenn wir das nicht machen und einfach einen Block bauen, sieht der hinterher halt auch aus wie viele andere. Ich persönlich gehe in jede Wohnung und stelle mir vor, dass ich darin wohnen würde. Und was ich dabei sehen möchte, setze ich auch um.

Wie meinen Sie das?

Wir haben die Fassade nach Norden hin so abgestuft, dass er die Blicke frei macht. Auf die Skyline. Wir haben es also nicht nur vorne, sondern auch hinten schön. Außerdem haben wir eine Gemeinschaftsterrasse realisiert, gedacht für all jene mit den kleineren Wohnungen ohne Balkon oder Loggia als Treffpunkt.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration? Entsteht die aus dem städtebaulichen Umfeld, aus der Aufgabenstellung, aus dem Raum zwischen ihren Ohren oder weil Sie viel auf Reisen sind?

Genau in der Reihenfolge, wie Sie es gesagt haben. Wenn ich mir ein Grundstück anschaue, sage ich immer: Der Entwurf ist schon da, du musst ihn nur noch erkennen. Jedes Grundstück hat seine spezifischen Eigenschaften – und für die muss man eben Antworten finden. Man muss sie nur entdecken …

An der HPQ-Realisierung war auch Blasius Schuster maßgeblich beteiligt, die sich derzeit anschicken, die Schüttgutlogistik dergestalt zu verändern, das wir in eine funktionierende Kreislaufwirtschaft kommen. Welche Rolle spielen derart nachhaltige Ansätze für Sie?

Nachhaltigkeit ist für uns eine Selbstverständlichkeit und kein Modebegriff, der irgendwann wieder out ist.

Und worauf legen Sie Wert in Sachen Nachhaltigkeit?

Für mich ist nachhaltig vor allem der Entwurf. Wir bauen seit mehr als 30 Jahren nachhaltig und haben schon Anfang der 1990er-Jahre Häuser mit Geothermie gebaut. Gleichzeitig bauen wir Häuser so gut und mit so variablen Grundrissen, dass diese allen möglichen Veränderungen standhalten. Dieses Gebäude hier, in dem wir gerade sitzen, steht schon unter Denkmalschutz – obwohl es gerade einmal 27 Jahre alt ist. Dass auch die Haustechnik und die Materialien nachhaltig sein müssen, versteht sich von selbst.

Nachhaltig ist also Bauen für die Ewigkeit?

Zumindest für eine sehr lange Zeit. Du musst als Architekt schon sehr weit in die Zukunft schauen können. Was wollen Menschen in 30 Jahren? Oder in 50?


Böse Frage: Ist schon mal eines Ihrer Gebäude wieder abgerissen oder rückgebaut worden?

Nein. Bis jetzt nicht – aber es ist nicht ausgeschlossen, dass das irgendwann passiert.

Haben Architekten in Sachen Nachhaltigkeit eine besondere Verantwortung? Ich meine: An Architekten wie Ihnen orientieren sich schließlich viele andere …

Aber klar! Wir haben eine große Verantwortung! Denn zur Nachhaltigkeit gehört auch, dass du ein Viertel mit dem Gebäude prägst, dass du ihm eine Identität gibst. Die Kinder, die hier aufwachsen und zur Schule gehen – die werden von der sie umgebenden Architektur beeinflusst. Es geht also um mehr als nur darum, wie wirtschaftlich es für den Bauherrn ist.

Blasius Schuster ist als einer der größten Trachytförderer in Deutschland aktiv. Das weiße Hartgestein aus dem Westerwald ist durch seine lichtgraue Farbgebung und das geringe spezifische Gewicht ein Naturbaustoff mit Potenzial. Welche Rolle spielen natürliche Materialien für Ihre Entwürfe?

Natursteine haben bei uns immer eine große Rolle gespielt, wir lieben diese Materialien. Wenn wir irgend können, setzen wir immer das Original ein und das ist natürlich der echte Stein.

An der Stelle: Wie stehen Sie zu Rezyklaten, zu Recycling- Beton und neuen Sekundärbaustoffen?

Heute sind wir zum Glück in der Lage, Beton CO2- neutral herzustellen und Baustoffe auch endlich wieder zurück in den Kreislauf zu bringen. Das ist gut und wichtig. Im Mercator One in Duisburg haben wir jetzt eine gesamte Fassade aus bis zu 90 Prozent recyceltem Aluminium hergestellt. Und in Augsburg wurde gerade ein Gebäude von uns eröffnet, das die weltweit erste Fassade hat, die zu 100 Prozent recycelbar ist.

Wird die Architektenschaft bei diesem Thema von der Politik hinreichend gehört und einbezogen?

Ich glaube, da ist noch Luft nach oben. Gleichzeitig sind wir Architekten abhängig von der Industrie. Was bekommen wir an Möglichkeiten? Es ist auf jeden Fall richtig, nachhaltig zu handeln – aber wir müssen darauf achten, dass sich die Menschen das auch leisten können. Nachhaltigkeit darf kein Luxusgut sein.

Und was wäre Ihr Vorschlag, um das Thema Wohnraummangel zu lösen?

Du hast zwei Optionen. Entweder sorgst du dafür, dass Investoren wieder wirtschaftliche Perspektiven haben – etwa, indem man Grundstücke kostenfrei zur Verfügung stellt. Oder der Staat baut selbst – gern darf man dann hier auch anrufen, wir würden gern noch mal Wohnungsbau im großen Stil machen.

Ihr Ansprechpartner

Caroline Lütjens

Leiterin Vertrieb, Prokuristin