Aus Abfall wird Zukunft – Wie wir mineralische Bauabfälle in hochwertige Ressourcen verwandeln
Die Bauwirtschaft steht heute vor einer doppelten Herausforderung:
Auf der einen Seite steigen die Bauaktivitäten und damit auch die Mengen an mineralischen Abfällen. Auf der anderen Seite werden natürliche Rohstoffe wie Lava oder Bims immer knapper – und müssen zunehmend importiert werden.
Das führt nicht nur zu steigenden Kosten, sondern auch zu zusätzlichen Transportwegen und damit verbundenen CO₂-Emissionen.
Für uns war deshalb früh klar:
Wenn wir nachhaltiger bauen wollen, müssen wir den Umgang mit Materialien grundlegend verändern.
Der Ansatz: Materialien im Kreislauf halten
Mit unserem geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben verfolgen wir ein klares Ziel:
Mineralische Bauabfälle nicht nur zu verwerten, sondern gezielt als hochwertige Rohstoffe wieder nutzbar zu machen.
Im Fokus stehen dabei insbesondere Materialien wie Ziegelbruch oder Erdaushub, die bislang häufig nicht in hochwertigen Anwendungen eingesetzt werden.
Unser Ansatz geht darüber hinaus:
Wir betrachten diese Materialien als Teil eines neuen, geschlossenen Stoffkreislaufs.
Der Weg dorthin: Technologie, Qualität und Prozessverständnis
Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir in den vergangenen Monaten intensiv an mehreren Bausteinen gearbeitet:
Ein zentraler Bestandteil ist die Erkundung und Integration KI-gestützter Sortiertechnologien. Moderne optische Systeme ermöglichen es, mineralische Stoffströme deutlich präziser zu trennen als bisher. Erste Pilotversuche zeigen, dass sich die Materialqualität dadurch signifikant steigern lässt.
Parallel dazu entwickeln wir klare Qualitätsstandards und Analytikprozesse, die sich an bestehenden Verordnungen und Richtlinien orientieren. Damit schaffen wir die Grundlage, um recycelte Materialien zuverlässig und normgerecht einzusetzen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Materialentwicklung selbst:
Durch die Erarbeitung von Siebkurven, Rohstoffmischtabellen und spezifischen Rezepturen entsteht ein detailliertes Verständnis dafür, wie sich unterschiedliche Materialien optimal kombinieren lassen.
Ergänzt wird dies durch den Aufbau eines eigenen Labors, in dem die relevanten Eigenschaften kontinuierlich geprüft und dokumentiert werden.
Das Ergebnis: Substrate für klimaresiliente Städte
Ziel all dieser Schritte ist nicht nur die Aufbereitung von Material, sondern die Entwicklung konkreter Produkte:
hochwertige Substrate auf Basis von Recyclingmaterialien.
Diese kommen unter anderem zum Einsatz in:
Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zu klimaangepassten Städten – etwa durch Wasserspeicherung, Temperaturausgleich und die Förderung gesunder Vegetation.
Ein Beispiel aus unseren Untersuchungen:
Aufbereitetes Ziegelmaterial zeigt hervorragende Eigenschaften hinsichtlich Porosität, Stabilität und Wasserhaltevermögen – ideale Voraussetzungen für den Einsatz in Baum- und Dachsubstraten.
Was dieses Projekt besonders macht
Der Unterschied zu klassischen Recyclingansätzen liegt in der Tiefe der Aufbereitung:
Wir betrachten Materialströme nicht pauschal, sondern in ihrer stofflichen Qualität und Funktion.
Durch präzise Trennung, gezielte Aufbereitung und kontrollierte Mischung entsteht kein einfaches Recyclingprodukt – sondern ein hochwertiger Sekundärrohstoff mit definierten Eigenschaften.
Damit wird aus einem linearen System ein zirkulärer Prozess, der sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll ist.
Ein Schritt in Richtung Bauwende
Am Ende geht es um mehr als ein einzelnes Projekt.
Es geht darum,
Kurz gesagt:
Abbruchmaterialien werden zur Grundlage für die Städte von morgen.
Die nächsten Schritte liegen nun in der weiteren Skalierung, der Feinabstimmung der Prozesse und der konsequenten Überführung in den Regelbetrieb.
Wir sind überzeugt:
Die Bauwende beginnt dort, wo wir Materialien neu denken.